Durch Mark und Bein

Rollen begreifen durch Figurenaufstellungen

Rollenarbeit ist manchmal mühsam. Du magst die Figur, aber es zündet nicht. Du probierst links herum, Du probierst rechts herum, aber Du drehst Dich nur im Kreis, weil Du den Kern nicht triffst.

Eine sehr spannende und effektive Methode, um sich einer Rolle anzunähern, ist das Figurenaufstellen. Denn Figuren haben eine eigene Energie, eine eigene Geschichte, die man erlebbar machen kann, indem man ihre Familien aufstellt.

Das bedeutet:

Wir werden ihre Eltern, Geschwister, Großeltern, ihre nächsten Bezugspersonen auf die Bühne stellen. Manche Angaben über die Familie finden wir im Text, manches aber weißt nur Du als Spielerin/Spieler. Assoziativ wirst Du sagen, wer im System von Bedeutung ist.

Wir werden die einzelen Familienmitglieder befragen, ihre Beziehung zu Deiner Figur erfragen, Deine Figur selbst befragen und erkennen, wie sich alle im System zueinander positionieren, was sie füreinander empfinden, was sie voneinander wollen oder auch nicht wollen. Dadurch bekommst Du einen ganz direkten emotionalen Bezug zu Deiner Figur. Denn Du stehst jetzt mitten in der Familie Deiner Figur - Du hast ihre Eltern, Verwandten und relevanten Bezugspersonen. Du kannst dirket fühlen, aus was für einem Umfeld mit welchen Spannungen und Konflikten Deine Figur kommt.

Deutsche Verssprache

Denn jetzt steig' ich in meinen Busen nieder,
Gleich einem Schacht, und grabe, kalt wie Erz,
Mir ein vernichtendes Gefühl hervor.
Dies Erz, dies läutr' ich in der Glut des Jammers
Hart mir zu Stahl; tränk' es mit Gift sodann,
Heißätzendem, der Reue, durch und durch;
Trag' es der Hoffnung ew'gem Amboß zu,
Und schärf' und spitz es mir zu einem Dolch;
Und diesem Dolch jetzt reich' ich meine Brust:
So! So! So! So! Und wieder!--Nun ist's gut.


 

Penthesilea war für mich damals in der Schauspielschule eine Offembarung. Für mich ist es das großartigste Stück Dichtung der Welt. Verssprache in Perfektion. Und mir ging die Geschichte Penthesileas mitten ins Herz. Schön, daß ich sie drei Jahre später am Schauspielhaus Zürich in Gänze spielen konnte.

 

Kleist´s Sprache erweckte in mir die Lust an der Verssprache. Im Laufe meiner Karriere kam ich oft mit ihr in Berührung – als Spielerin und als Dozentin – und dabei habe ich gemerkt, daß ich gut und gerne Menschen an die deutsche Verssprache heranführen kann.